
GRIPPEIMPFUNG 2011
Der Impfstoff gegen die jährlich und in den Wintermonaten auftretende Influenza ("Grippe") ist eingetroffen. Ab sofort können Sie sich in der Praxis impfen lassen.
URLAUB / ABWESENHEITEN
An dieser Stelle kündigen wir Ihnen an, wann die Praxis geschlossen sein wird, und wer uns vertreten wird.
Neue Mitarbeiterin
Seit Beginn diesen Jahres sehen und hören Sie neue Mitarbeiter in der Praxis. Wir freuen uns, dass sich Natascha Ruess und Enisa Alic als Helferin zu unserem Team gesellt haben.
TELEFON/ERREICHBARKEIT
In der Vergangenheit war es gelegentlich zu Störungen der telefonischen Erreichbarkeit der Praxis gekommen.
Der Fehler wurde inzwischen behoben.
Falls Sie mal nicht "durchkommen" sollten, benutzen Sie bitte E-mail und die Ihnen bekannte Notrufnummer.
Für Rezeptwünsche und Organisatorisches steht jetzt auch eine zweite E-mail Adresse zur Verfügung:
unter dr.trausch@yahoo.de ereichen Sie Susanne Kratzer, Natascha Ruess, und Einsa Alic direkt.
Neues vom Gesundheitssystem (Stand: 27.3.2011)
Jachertz, Norbert Gesundheitliche Versorgung: Beskes beklemmende Prognose
Eine alternde Bevölkerung und der Mangel an Fachkräften stellen die soziale Sicherung vor schwer lösbare Aufgaben.
Die Zahlen und Fakten zu der demografischen Entwicklung und deren Folgen für die gesundheitliche Versorgung sind zwar bekannt, dennoch wirkte die komprimierte Zusammenstellung, die Prof. Dr. med. Fritz Beske, der Leiter des Kieler Instituts für Gesundheits-System-Forschung, am 24. Februar 2011 in Berlin vorstellte, schockierend. Zumal Beske keine Lösungen, sondern nur Lösungsansätze, die gleichfalls beklemmend sind, präsentierte.
Das Problem in fünf Sätzen: Überalterung führt zu höherer Multimorbidität. Dadurch steigt der Versorgungsbedarf, insbesondere bei Pflegebedürftigen. Wegen des zunehmenden Mangels an Fachkräften wird dieser nur schwer zu decken sein. Medizinischer Fortschritt und steigende Morbidität lassen die Kosten explodieren. Kranken- und Pflegeversicherung stoßen deshalb und weil die Zahl der Erwerbstätigen sinkt an ihre finanziellen Grenzen.
In Zahlen: Innerhalb der nächsten 50 Jahre nimmt die Bevölkerung von 82 auf 65 Millionen, also um 17 Millionen ab. Die Anzahl der jungen Menschen (bis 19 Jahre) sinkt bis 2060 um fünf Millionen, die der erwerbsfähigen (20 bis 66 Jahre) um 17 Millionen, die der Alten nimmt hingegen um fünf Millionen zu. Die Relation Erwerbstätige zu Nichterwerbstätigen verschlechtert sich, selbst wenn das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre steigt, auf 1 : 1 (bisher 3 : 1).
Die altersbedingte Pflegebedürftigkeit wird Beske zufolge rapide zunehmen. Denn die Lebenserwartung steige bis 2060 bei Jungen auf 88, bei Mädchen auf 91 Jahre, ja „von hundert Mädchen, die heute geboren werden, haben fünfzig Aussicht, hundert Jahre alt zu werden“ (Beske). Die Zahl der Demenzkranken werde sich bis 2050 von 1,1 auf 2,2 Millionen verdoppeln, desgleichen die Zahl der Pflegebedürftigen, und zwar von 2,25 auf 4,5. Demnach müssten, würden die Verhältnisse von heute fortgeschrieben, bis 2050 zusätzlich 800 000 Pflegeheimplätze geschaffen werden. Der höhere Bedarf an Plätzen resultiere nicht zuletzt aus den vielen Einpersonenhaushalten, „die in die Pflegebedürftigkeit hineinwachsen“.
Dem steigenden Bedarf stehen zu wenig Fachkräfte gegenüber. In der Pflege werden laut Statistischem Bundesamt bis 2025 152 000 Kräfte fehlen. Die Wirtschaftsprüfergesellschaft Price-Waterhouse-Coopers rechnet bis 2030 gar mit 400 000 fehlenden Fachkräften in der Pflege und 165 000 fehlenden Ärzte.
Würde das heutige Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beibehalten, stünden die Kranken- wie die Pflegeversicherung – folgt man Beske – angesichts der demografischen Entwicklung und des teuren medizinischen Fortschritts vor einer unlösbaren Aufgabe. Beske hält es deshalb für „schlicht illusionär“, die bedarfsorientierte Finanzierung der Kranken- und der Pflegeversicherung fortzuführen. Der Beitragssatz müsste dann nämlich in der gesetzlichen Krankenversicherung auf bis zu 52 Prozent im Jahr 2060 steigen, in der Pflege auf mehr als fünf Prozent.
Einnahmenorientierte Finanzierung der GKV
Lösungsansätze: Beske plädiert für einen Systemwandel, hin zur einnahmenorientierten Finanzierung. Das bisherige Leistungsrecht könnte dann freilich nicht beibehalten werden. Zu Details wollte sich Beske, der auf viele Jahre als Gesundheitspolitiker zurückblicken kann, zunächst nicht äußern. Erst auf Nachfrage nannte er vorsichtig („Bitte verstehen Sie mich nicht falsch.“) als Beispiele die intensivmedizinische Betreuung von Frühgeborenen unabhängig vom Geburtsgewicht und die palliative Versorgung gegen Lebensende; Letztere hält Beske für eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. In seiner 2010 erschienenen Untersuchung zur Gesundheitsversorgung bei begrenzten Mitteln listet Beske zudem weitere „Handlungsoptionen“ auf – jede „Option“ geeignet, den Aufschrei einer Betroffenengruppe hervorzurufen. In Berlin wies Beske lediglich auf frühere Untersuchungen seines Instituts zu Fremdleistungen der Krankenversicherung hin. Auch deutete er an, die Krankenversicherung müsse sich künftig auf die Absicherung von Krankheiten konzentrieren, was wohl bedeutet, die Prävention auszuklammern und als allgemeine Staatsaufgabe zu deklarieren.
Die Gesundheitsversorgung und deren Finanzierung müssen nach Ansicht von Beske neu strukturiert werden: Der Bund solle sich auf eine Rahmengesetzgebung beschränken und zum Beispiel die Kranken- und Pflegeversicherung, aber auch die bisher von der Rentenversicherung organisierte Rehabilitation zusammenführen. Kommunen und Landkreise sollten mehr Kompetenzen bekommen. Ambulante, stationäre und rehabilitative Versorgung sollten in „leistungs- und sektorenübergreifenden Verbünde“ organisiert werden.
Engeres Aufgabenspektrum für die Ärzte
Der Fachkräftemangel in der Pflege könnte laut Beske durch ehrenamtliche Tätigkeit sowie durch neue Wohnformen für Alt und Jung halbwegs ausgeglichen werden. Auf die Einwanderung von Fachkräften solle man sich dagegen nicht verlassen. Diese würden auf Dauer in ihren Heimatländern gebraucht.
Dem künftigen Ärztemangel rät Beske, mit einem engeren Aufgabenspektrum zu begegnen. Die Ärzte müssten von Aufgaben entlastet werden, die auch von geringer qualifiziertem Personal erbracht werden könnten. Beske denkt dabei weniger an die Delegation als an die echte Substitution ärztlicher Leistungen, gesteht aber ein, damit ein heißes Eisen anzufassen. Doch das scheint ihn nicht zu stören, genauso wenig wie seine Forderung nach einer Reduzierung des Leistungskatalogs. In seinem Alter – Fritz Beske ist 88 Jahre und ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, noch jenseits der 67 produktiv arbeiten zu können – könne er sich unkonventionelle Meinungen leisten. Die Studie über die Aussichten des Gesundheitswesens („Sechs Entwicklungslinien in Gesundheit und Pflege“, Kiel 2011) halte er für notwendig. Er habe sie ohne Auftrag geschrieben.
Norbert Jachertz
Die GKV ist künftig nicht mehr in der Lage . . .
. . . das bisherige Aufgabenspektrum („die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern“) zu finanzieren, meint Prof. Dr. med. Fritz Beske in seiner Untersuchung „Handlungsoptionen zur Sicherstellung einer bedarfsgerechten Gesundheitsversorgung bei begrenzten Mitteln“, die 2010 mit Unterstützung einiger regionaler Ärztekammern und Kassenärztlicher Vereinigungen herauskam und seine jüngste Untersuchung gleichsam illustriert. In ihr beschreibt er – manchmal etwas gewunden, denn die Vorschläge betreffen sämtlich heiße Eisen –, was
es heißt, den Leistungskatalog zu reduzieren.
Im Folgenden Beske im Originalton, zunächst die grundsätzliche Forderung, dann vier Beispiele aus der schönen neuen Welt:
§ 1 Sozialgesetzbuch V: „Mit dieser Aufgabenstellung lässt sich (. . .) nahezu jede Leistung in der Gesundheitsversorgung als Aufgabe der GKV rechtfertigen. Ein solcher Leistungsumfang ist in Zukunft nicht mehr finanzierbar. Aus diesem Grunde muss die Aufgabe der GKV reduziert und präzisiert werden. § 1 SGB V wird dahingehend geändert, dass die GKV in erster Linie die Aufgabe hat, im Krankheitsfall sicherzustellen, dass die erforderlichen medizinischen Maßnahmen nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft durchgeführt werden können.“
Prävention: „Prävention spart (. . .) Geld in Einzelbereichen. Bei steigender Lebenserwartung treten jedoch andere, mehr altersbedingte Krankheiten in den Vordergrund, verbunden mit hohen Kosten. Dies führt zu dem wissenschaftlich nachgewiesenen Ergebnis, dass Prävention zu keiner Ersparnis im Gesundheitswesen insgesamt führt.“ Prävention dagegen sei zwar gesellschaftlich wichtig, um Arbeitsfähigkeit möglichst lange zu erhalten, doch: „Die GKV wird sich in Zukunft schwerpunktmäßig der Versorgung im Krankheitsfall widmen müssen. Prävention dagegen ist eine Gemeinschaftsaufgabe, ist eine öffentliche Aufgabe.“
Kaiserschnitt: „Es muss die Frage gestellt werden, wie verhindert werden kann, dass die GKV bei einem Wunschkaiserschnitt die damit verbundenen höheren Kosten trägt.“
Frühgeborene: „Es ist in Deutschland aufgrund seiner Vergangenheit bis heute nahezu unmöglich, diese Problematik vorurteilsfrei und rein sachbezogen zu erörtern. Trotzdem muss es möglich sein, die Frage zu stellen, ob bei der Konkurrenz um begrenzte Mittel Fragen dieser Art vollständig ausgeklammert werden sollen. (. . .) Die intensivmedizinische Behandlung von Frühgeborenen gehört zu den konkreten Fragen, die z. B. dem Deutschen Ethikrat gestellt werden können.“
Palliativversorgung: „Die Frage eines würdigen Sterbens steht nicht zur Disposition. Es muss jedoch die Frage gestellt werden, ob und in welchem Umfang es Aufgabe der GKV ist, über den Umfang der bisherigen Sterbehilfe insbesondere durch den Hausarzt die familiäre Aufgabe der Sterbehilfe zu ersetzen, oder ob nicht im Rahmen begrenzter Mittel geprüft werden muss, welche Leistungen ausreichen, um bisherige Formen der Sterbehilfe zu ergänzen. Müsste eine solche Aufgabe (. . .) nicht als gesamtgesellschaftliche Aufgabe bezeichnet und aus Steuermitteln finanziert werden?“
(alles aus: Deutsches Ärzteblatt, 12, 25. März 2011: http://www.aerzteblatt.de/archiv/81687/)
(Stand: 27.3.2011) :
1. Für nahezu alle gesetzlich versicherten Patienten waren 2010 (gegen den Widerstand der Krankenkassen) Hausarztprogramme etabliert worden. Die Kassen wurden per Schiedsverfahren dazu gezwungen, da sie aus eigener Initiative dem Gesetz keine Folge geleistet hatten. Das schien zu bedeuten: es gab keinen Rechtsweg, der eingeschlagen werden konnte, die Entscheidung schien für die vereinbarte Vertragsdauer unveränderbar.
Versicherte und Ärzte hatten Vorteile aus den Hausarztprogrammen ziehen können.
Gesundheitsminister Rösler
und die Regierung stellten dann das langfristige Bestehen dieser Verträge in Frage.
Im Dezember 2010 begann die AOK, Patienten ohne Grund aus den Verträgen "auszuschreiben" - prinzipiell der erste Vertragsbruch.
Die Hausärzte Bayerns fingen an darüber nachzudenken, ihre Tätigkeit als freie Ärzte auszuüben. In Folge kündigte die große Mehrheit der Krankenkassen einseitig die Hausarztverträge.
Noch ist die Situation etwas unübersichtlich, folgendes allerdings scheint klar:
- eine Kündigung war vertraglich eigentlich nicht möglich. Es ergibt sich die Frage, ob hier ein Rechtsbruch durch die Krankenkassen vorliegt.
- wenn überhaupt eine Kündigung begründet werden konnte, dann nur mit dem angekündigten Verhalten der Ärzte (das dann nicht stattfand). Eine Kündigung der Krankenkassen dem Versicherten gegenüber war jederzeit unbegründet.
- wer die Schreiben der Krankenkassen richtig gelesen hat, hat auch bemerkt, dass er als Versicherter Einspruch erheben kann gegen die einseitige Kündigung.
- es sind nicht alle Gerichtsurteile gesprochen. Momentan aber scheint es so, als ob die Gerichte diese Kündigungen für rechtskräftig erklären werden. Es entsteht der Eindruck, als ob die Justiz politisch gewollte Maßnahmen billigt - unabhängig von der Vertragslage. Jeder mache sich darüber selbst seine Gedanken.
- eine öffentliche Diskussion über diese Vorgänge findet nicht statt.
2. Privatpatienten werden wegen der Querfinanzierung des Kassensystems und dem politisch gewollten Schwund der Mitgliederzahlen auch in Zukunft steigende Beiträge zu zahlen haben. Ene Reform der in diesem Bereich geltenden GOÄ (Gebührenordnung der Ärzte) steht an. Die Regierungen sind auch hier - wegen der großen Zahl an beamteten Privatpatienten - extrem vorsichtig. Es steht zu erwarten, das Leistungen gekürzt werden (über eine Kürzung der Arzthonorare).
3. es wird auch unter dieser Regierung keine Reform des Gesundheitswesens geben. Es wird definitiv Veränderungen geben, die werden allerdings anders aussehen als in den Prospekten der Krankenkassen und in den Wahlprogrammen der Partein beschrieben. Wer seine Hoffnungen auf eine veränderte Parteienlandschaft gesetzt hat, wird enttäuscht werden. Dafür gibt es vielfältige Gründe:
- es gibt in unseren Parlamenten kaum mehr Mandatsträger, die nicht Berufspolitiker sind. Die meisten Abgeordneten sind öffentliche Angestellte oder Beamte, haben aber nie in einem anderen "Beruf" als dem des Politikers gearbeitet. Ihr vordergründiges Streben ist auf Erhalt Ihres Mandats gerichtet. Dies ist völlig unabhängig von der Parteizugehörigkeit.
- die Gesundheitspolitik ist ein Minenfeld, in dem ein Politiker immer verlieren, selten aber gewinnen kann:
a. die Gruppe der "Patienten" (oder der gesetzlich versicherten Menschen) ist die größte Wählergruppe in unserer Gesellschaft. Um eine echte Reform durchzubringen, müssten unangenehme Einschnitte offen vertreten werden. Überlegen Sie sich selbst, ob Sie eine Partei wählen werden, die Ihre Gesundheitsleistungen reduziert. Überlegen Sie sich auch, ob Bürger, die Nettobezieher von Sozialleistungen sind (Rentner, Arbeitslose, wenig begüterte Menschen) dies tun werden.
b. Vorausgesetzt, es gäbe einen Gesundheitsminister, der bereit wäre, seine Karriere für die Stabilisierung des Systems zu opfern: auch dieser Politiker wird von den anderen Machthabenden ausgebremst werden. Es wird keiner tatenlos zusehen, wie der Ast, auf dem alle sitzen, abgesägt wird. Herr Rösler wäre selbst dann chancenlos, wenn er sich vom Gros der anderen Berufspolitiker unterschiede.
c. Auch wenn Sie und ich möglicherweise nicht davon profitieren: der Gesundheitssektor macht weltweit riesige Umsätze. Finanzanalysten erwarten, dass hier in Zukunft einer der wenigen sichtbaren Wachstumsmärkte liegt. In wenigen anderen Feldern tummeln sich so viele Lobbyisten wie hier. Das fängt mit Ihnen und mir an und hört bei den global players auf. In der Mitte tummeln sich kassenärztliche Vereinigungen, Versicherungen, Ärzteverbände, Apotheker, etc. Gegen diesen Widerstand ist schwer zu regieren
- Sie und ich verhalten uns auch nicht besser als alle anderen. Jeder sucht seinen Vorteil. Und das in allen westlichen Demokratien verankerte Prinzip der Sozialleistungen wird im Zusammenhang mit dem oben beschriebenen Wandel der Parlamente dafür sorgen, dass sich nichts ändern kann.
Gleichzeitig sinken die Einnahmen des Staates, die Finanzierungslöcher werden größer. Gleichzeitig wird auch der Finanzierungsbedarf wegen der anhaltenden technischen Fortentwicklung und der sich verändernden Alterstruktur der Bevölkerung immer größer. Es ist unter diesen Bedingungen nicht schwer vorherzusagen, was passieren wird:
Steigende Kosten, mangelnde Finanzierungsmöglichkeiten, und
mangelnder Reformwillen müssen zwangläufig dazu führen, dass das System in dieser Form kollabieren wird.
Ich bezweifle, dass jemand die Notbremse ziehen wird, bevor die Kollapsgefahr akut wird - ganz analog zum System der bankrotten Banken.
Insgesamt ist zu erwarten, dass auf "kaltem" Wege (möglichst ohne öffentliche Diskussion) die Leistungen reduziert werden müssen. Wo und wie das geschehen wird, wird uns die Zukunft zeigen.
Impfungen gegen Influenza ("Grippeimpfung") und gegen H1N1 ("Schweinegrippe")
14.3.2010:
Fazit der Erfahrungen bislang: in meiner und in den anderen Arztpraxen lagern hunderte von Dosen nichtbenutzter Impfstoffe. Bundesweit sind 80% der bestellten Impfstoffe nicht benutzt worden.
Eine epidemische Welle der "Schweinegrippe" ist trotz niedrigen Impfzahlen ausgeblieben.
Deutlich mehr Menschen als in den Vorjahren haben sich gegen die "normale" Influenza impfen lassen.
Die in den ersten Monaten des Jahres normalerweise auftretende Grippewelle ist dieses Jahr ausgeblieben. Möglicherweise ist das eine die Folge des anderen.
15.12.09:
Die Informationspolitik ist weiterhin eher chaotisch. Wenn die ganze Vorgehensweise ein Test für den Ernstfall sein sollte, dann ist er einfach schief gelaufen.
Immerhin besteht jetzt weitgehend Einigkeit über die Ungefährlichkeit von Pandemrix, dem zur Verfügung stehenden Impfstoff
. Jetzt endlich, im Dezember, wird der Impfstoff für Schwangere verfügbar sein (nur bei niedergelassenen Frauenärzten) - viel zu spät!
Es ist weiterhin nun klar, dass im Allgemeinen jeder nur einmal geimpft werden muss, um einen ausreichenden Schutz zu erwerben
14.11.09:
Der Impfstoff gegen die Influenza kann in beiden Praxen geimpft werden.
Wie jedes Jahr, so ist auch der diesjährige Impfstoff auf der Basis des letztjährigen Erregers der Influenza hergestellt worden.
Die Influenza ist eine jährlich auftretende, saisonale Erkrankung, die in den Wintermonaten in Deutschland jedes Jahr tausende Todesfälle verursacht. Die Impfung ist die einzig wirksame und vorbeugende Maßnahme gegen die Erkrankung und daher zu empfehlen. Ganz besonders gilt das für Menschen über 60 und jeden Menschen mit bestehenden Organerkrankungen.
Die sogenannte Schweinegrippe oder neue Grippe tritt auch außerhalb festgelegter saisonaler Grenzen auf und wird von dem Virus H1N1 verursacht. Die Übertragung erfolgt genau wie beim saisonalen Influenzavirus durch Tröpfcheninfektion (Husten/Niesen, etc.). Bislang war der Verlauf der Erkrankung bei allen Erkrankten deutlich weniger gefährlich als bei der saisonalen Influenza. Der große Rummel um die neue Grippe beruht auf der Tatsache, dass der Erreger pandemisch auftritt, also: sich in kurzer Zeit um die ganze Welt verbreitet hat. Theroretisch war und ist es möglich, dass allein Deutschland sich in einer Grippewelle hunterttausende von Menschen anstecken. Da zum Zeitpunkt des Entschlusses möglich war, dass die Erkrankung auch schwer verlaufen könnte, hat sich die Bunderegierung entschlossen, in großen Mengen Impfstoff zu bestellen. In anderen Ländern hat man sich dagegen entschieden.
Inzwischen ist der Impstoff fertig. Von der Firma hergestellt, wird er an die Bundesländer ausgeliefert, die dann die gleichmäßige Verteilung gewährleisten sollen. In Bayern ist dafür das Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit zuständig.
Aber: im regulären Impfstoff gegen die Influenza war schon 2008 ein Drittel H1N1 enthalten, und auch im Impfstoff 2009 ist dies so. Wer sich 2008 gegen die Influenza hat impfen lassen, konnte damit rechnen, einen gewissen Schutz gegen die Schweinegrippe erworben zu haben. Diese Jahr ist dies nicht anders. Ein weiterer Grund für die Grippeimpfung, die Impfung gegen die saisonale Influenza. Wenn Sie sich gegen die neue Grippe impfen lassen möchten, sollten Sie sich auf jeden Fall auch gegen die saisonale Influenza impfen lassen!
22.11.09: update H1N1/Influenza A1("Schweinegrippe")
Der Impfstoff steht auch in meiner Praxis zur Verfügung
Wir Ärzte mussten wie Sie leider häufig aus der Tagespresse erfahren, wie der Stand der Dinge war. Weder die ärztlich übergeordneten Stellen, noch die Regierung Bayerns haben es bis vor kurzem fertiggebracht, klare und nachvollziehbare Informationen mit eindeutigen Daten und Fakten zur Verfügung zu stellen - ein Desaster. Daher hatte ich Ihnen die Information zur Verfügung gestellt, die nach Lage der Dinge am seriösesten erschien.
Die Herstellung und Verteilung des Impfstoffes folgt einem Plan, der von der Bundesregierung 2007 - noch unter der Führung von Frau Schmidt - zur Bekämpfung der Vogelgrippe erstellt wurde. Angesichts der chaotischen Zustände bleibt zu hoffen, dass die jetzt Verantwortlichen aus der Misere lernen. Im Falle einer wirklich gefährlichen Erkrankung hätte das jetzige Vorgehen schon Tausende von Menschenleben gefordert.
Inzwischen herrscht jedoch weitgehend Klarheit über die Ungefährlichkeit des Impstoffes - aus meiner Sicht kann er ohne Gefahr für die Geimpften verabreicht werden. Er unterscheidet sich nur unwesentlich von den Ihnen bekannten anderen Impfstoffen. (um genau zu sein: Thiomersal und Squalen sind technisch gesehen nicht sehr elegant, aber sie stellen keine Gefahr da. In Schweden sind zehntausende von Menschen geimpft worden, ohne dass nennenswerte Zwischenfälle verzeichnet wurden, die eindeutig auf die Impfung zurückgeführt werden konnten). Zu rechnen ist mit Schwellungen und Unannehmlichkeit an der Impfstelle sowie mit Allgemeinsymptomen wie Abgeschlagenheit und erhöhter Temperatur. Bei den in meiner Praxis geimpften Personen gingen die Impfnebenwirkungen bislang nicht über diese Symptome hinaus.
Geimpft werden jetzt:
alle Menschen, die geimpft werden möchten. (es wird zunehmend klar, dass massenweise Impfstoff übrig sein wird, da nur eine Minderheit der Bevölkerung sich impfen lassen möchte).
Ältere Menschen scheinen weniger betroffen zu sein als die 20 - 40jährigen. Schwangere scheinen stärker betroffen zu sein. Hier wäre die Impfung sehr zu empfehlen. Wegen der besonderen Situation ist hier eine individuelle Besprechung unerläßlich.
P.S.: dass Bayern das "Epizentrum" der Schweinegrippe in Deutschland darstellt, steht nicht nur in Ihrer Zeitung: Das ist tatsächlich so. Zur Wiesn haben mehrere Millionen Menschen aus der ganzen Welt Ihre Viren in München mischen dürfen. Schweinegrippe und alle anderen momentan grassierenden Viruserkrankungen, die Kindergärten, Schulen und Betriebe zum Teil erheblich behindern, haben mindestens zum Teil Ihren Grund hierin. Wäre es den Verantwortlich wirklich ernst gewesen mit einem Pandemieplan, hätte die Wiesn dieses Jahr nicht statfinden dürfen....
Die untenstehenden Artikel werde ich Ihnen trotz meiner generellen Zustimmung zur Impfung nicht vorenthalten, sie entstammen dem Arzneimittelbrief, einer der wenigen unabhängigen Arzneimittelinformationen für Ärzte, herausgegeben von einer unabhängigen Gruppe von Pharmakologen, werbefrei und ausschließlich durch Abonnementsgebühren finanziert:
Schweinegrippe - eine inszenierte Pandemie als Konjunkturprogramm?
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Seit Monaten werden die Menschen in vielen Staaten der Welt fast täglich durch Berichterstattung über die möglichen Bedrohungen durch die Schweinegrippe mit den Instrumenten der "main stream"-Berichterstattung in Angst versetzt. Bisher gab es nur wenige kritische Stimmen. Mittlerweile sind einige der Ziele dieser irrationalen Berichterstattung zu erkennen.
Die Bevölkerung wurde durch die Medien auf eine Massenimpfung vorbereitet. Diese Aktion mit einem neu entwickelten Impfstoff wurde von einem der ganz wenigen Kritiker dieser Kampagne als "Großversuch an der Bevölkerung" bezeichnet (1). Diese Einschätzung ist nach dem jetzigen Kenntnisstand zu dieser Infektionserkrankung aus den folgenden Gründen sehr zutreffend.
Jede Impfung - erst recht eine akute Massenimpfung - muss einer kritischen Abwägung zwischen dem Nutzen und der potenziellen Gefährdung standhalten (2-5). Die vorliegenden Daten zeigen, dass die Schweinegrippe klinisch deutlich milder verläuft als eine saisonale Influenza. Deswegen ist derzeit das Nutzen-Risiko-Verhältnis ungünstig.
Die geplante Massenimpfung basiert auf zwei Annahmen, die nicht sicher sind: 1. Das Schweinegrippevirus wird sich verändern und kommt in einer zweiten Welle, die klinisch schwerer verläuft, wieder. 2. Der Impfstoff, der aus dem jetzigen Virus entwickelt wird, ist gegen das dann potenziell veränderte Virus noch wirksam. Beides ist unwahrscheinlich. In der Regel ist es genau andersherum. Die Viren passen sich dem Wirt an und die Krankheit verläuft weniger schwer.
Die neuen Impfstoffe sind potenziell gefährlicher als der saisonale Grippeimpfstoff, da die sonst üblichen Sicherheitsüberprüfungen übersprungen werden. Darüber hinaus ergeben sich neben den verwendeten Antigenen auch Unterschiede durch Zusatzstoffe, die für die Konservierung des Impfstoffes verwendet werden. Hierfür werden z.B. Quecksilberverbindungen benutzt. Im Moment geht man von vier in Europa zugelassenen Schweinegrippe-Impfstoffen aus. Nach Angaben der Hersteller werden drei davon Adjuvanzien enthalten, die die Immunreaktion verstärken und Antigen einsparen sollen, um größere Mengen des Impfstoffs bereitzustellen zu können (gestreckter Impfstoff). Neben Aluminiumverbindungen werden ölige Emulsionen, die Squalen enthalten, als Adjuvanzien verwendet. Squalen ist schon deshalb problematisch, weil es aus Haifischleber hergestellt wird und fast alle Haifischarten bedroht sind. Man erhofft sich durch die Immunverstärkung neben der Einsparung von Antigen auch eine Immuninduktion gegen genetisch gering veränderte H1N1-Viren. Zudem wird der neue Impfstoff durch auf Zelllinien etablierte Viren gewonnen.
Welche Rolle diese Zusatzstoffe bei der Induktion von UAW spielen werden, ist derzeit nicht einzuschätzen. Auch ist hinsichtlich der Immunantwort gegen pandemische Influenzaviren vieles nicht geklärt. So haben Tierversuche mit dem pandemischen Influenzavirus von 1918 ergeben, dass die Stärke der Immunantwort mit der Schwere des Krankheitsverlaufs korrelierte: Tiere mit der stärksten Immunantwort starben am häufigsten an der Erkrankung (6). Dies könnte erklären, warum gerade bei jüngeren, sehr immunkompetenten Menschen die Erkrankung schwerer verlaufen ist. Eine zu starke Immunantwort bei einer Infektion kann auch Risiken mit sich bringen.
Es ist möglich, dass die UAW der neuen Impfstoffe deutlich ausgeprägter sein werden als beim saisonalen Grippeimpfstoff. Darüber hinaus ist bei Einsatz eines ähnlichen Impfstoffs in den USA häufiger das Guillain-Barré-Syndrom aufgetreten. Hierbei handelt es sich um eine aufsteigende motorische Lähmung, die bis zur Atemlähmung voranschreiten kann. Sie bildet sich zwar meist wieder zurück. Bei der Masse der Impfungen werden, wie bei anderen Impfungen, aber auch tödliche Impfreaktionen auftreten. Immerhin sind bei einer ähnlichen Impfaktion 1976 in den USA 40 Menschen gestorben (7, 8). Dies alles ist nicht zu verharmlosen.
Wer hat Interesse an dieser Angst erzeugenden Desinformation über die Schweinegrippe?
1. Die Regierungen verschiedener Industriestaaten. In vielen Industrieländern, darunter auch in Deutschland und den USA, wurde die Impfstoffproduktion der Pharmaindustrie massiv subventioniert. Die dadurch entstandenen riesigen Produktionsanlagen sind fertig, aber einige der früher prognostizierten Seuchen, die die Bevölkerung der Erde gefährden sollten (SARS = Severe acute respiratory syndrome, Vogelgrippe) haben nicht lange genug angehalten, um die Produktion richtig in Gang kommen zu lassen. Bei der jetzigen Schweinegrippe hat die Regierung der Bundesrepublik der Industrie die Abnahme des Impfstoffs garantiert. Zusammen mit anderen Ländern wurden über 300 Mio. Dosen bestellt. Alleine in den USA sind es 160 Mio. für die erste Welle (9). Ein Milliardengeschäft. Die Rechnung für dieses "Konjunkturprogramm" werden wie immer Krankenversicherte und Steuerzahler bezahlen müssen. Das I-Tüpfelchen auf dem Ganzen ist, dass die USA-Regierung allen Herstellern von Schweinegrippe-Impfstoffen Immunität hinsichtlich eventueller Klagen von Impfgeschädigten zugesagt hat (10). Dies bedeutet im Klartext, dass im Falle eines Impfschadens der Betroffene keine rechtliche Grundlage für Schadensersatz hat. Die Bundesregierung hat eilig erklärt, in solchen Fällen einzuspringen. Woher wird sie wohl das Geld für solche Schadensersatzforderungen nehmen? Grundsätzlich sind Impfungen bei schwer verlaufenden Erkrankungen und bei bestimmten Risikokonstellationen wichtig und sollen nicht in Frage gestellt werden. Es gibt Studien, die zeigen, dass die saisonale Grippe-Impfung für gefährdete Personengruppen wirksam ist (11). Dies alles trifft aber auf die Schweinegrippe nicht zu.
2. Die Pharmaindustrie , die im Impfstoffgeschäft und bei der Herstellung von Anti-Grippemitteln tätig ist. Sieht man sich die internationalen Verflechtungen an, ist es praktisch die gesamte Pharmaindustrie, die hier eine Konjunkturspritze bekommt.
3. Die Gesundheitsbehörden (WHO, Bundesoberbehörden) können durch weit reichende Entscheidungen ihre Bedeutung demonstrieren. Für die Regierungen, die WHO und die Pharmaindustrie ist es natürlich ideal, eine harmlose Erkrankung als Weltbedrohung aufzubauen, gemeinsam davon zu profitieren und am Ende sich gegenseitig zu beglückwünschen, wie gut doch durch die enge Zusammenarbeit die Bedrohung abgewendet wurde. Um die Schweinegrippe eine Pandemie nennen zu können, wurde sogar die Gefährlichkeit aus der WHO-Definition einer Pandemie entfernt.
Es ist wichtig, auf Epidemien mit einer angemessenen Strategie zu reagieren. Wird von offiziellen Stellen bei relativ harmlosen Infektionskrankheiten Panik verbreitet, sinkt die Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung, und es besteht die Gefahr, dass sinnvolle Empfehlungen in einem wirklichen Ernstfall nicht mehr beachtet werden (12).
Fazit: Um sich vor einer Infektion mit dem Schweinegrippe-Virus zu schützen, empfehlen wir ganz allgemeine Maßnahmen, die auch vor anderen Infektionen schützen, z.B. größere Menschenansammlungen und unnötige, enge Körperkontakte vermeiden und vor allem gründliches, besonders häufiges Händewaschen mit Seife (13). Weiterreichende Schutzmaßnahmen, wie das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit, empfehlen wir zurzeit nicht. Bei der jetzigen Datenlage raten wir von einer Impfung gegen die Schweinegrippe ab.
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Influenzaviren 1918 bis heute - die "pandemische Ära"?
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Ein H1N1-Influenza-A-Virus war bei der weltweiten Grippepandemie 1918-1919 möglicherweise beteiligt. Nun stellen einige renommierte Wissenschaftler vom "National Institute of Allergy and Infectious Diseases" der USA (1) dieses seit einigen Jahren aus eingefrorenem Material sequenzierte Virus sogar als Gründer einer viralen Dynastie dar.
Influenza-Viren haben acht Gene, von denen zwei die Oberflächenantigene Hämaglutinin (H) und Neuraminidase (N) kodieren, die dem Virus ermöglichen, eine Wirtszelle zu befallen und sich von Zelle zu Zelle auszubreiten. Diese Antigene lösen auch die Immunantwort des Wirts aus. Es gibt 16 H-Untereinheiten und neun N-Untereinheiten, so dass sich 144 mögliche HN-Kombinationen ergeben. Bei den Menschen-infizierenden Influenza-Viren hat man jedoch nur drei Kombinationen gefunden (H1N1, H2N2 und H3N2). Viren mit anderen Kombinationen, wie z.B. das Vogelgrippe-Virus H5N1, befallen Menschen nur gelegentlich.
Für ein besseres Verständnis schlagen die Autoren (1) vor, sich Influenza-Viren als Gen-Teams mit acht Spielern vorzustellen, die mit anderen Teams zusammenarbeiten und gelegentlich Spieler austauschen, um neue Fähigkeiten zu erlangen, wie z.B. einen anderen Wirt zu infizieren. Sie spekulieren weiter, dass 1918 durch aviäre Influenzaviren (Vogelgrippe) ein zusätzlicher Satz von acht Genen hinzu kam. Bisher unbekannte Mechanismen ermöglichten es dann diesem Virus, die Artenbarriere zu überwinden, Menschen und Säugetiere zu infizieren und von Mensch zu Mensch übertragen zu werden.
Während der schweren Pandemie von 1918 übertrugen Menschen das Virus auch an Schweine, in denen es seitdem zirkuliert. Schweinezüchter in Iowa, die ihre Tiere im Herbst 1918 auf der "Cedar Rapids Swine Show" präsentierten, klagten damals bereits über eine respiratorische Erkrankung ihrer Herden, die in ihren Symptomen denen der menschlichen Influenza ähnelte (2). Auch dieses ist reine Spekulation, da wir nicht wissen, ob unter Schweinen bereits früher ein H1N1-Influenzavirus zirkulierte.
Auch wird behauptet, alle derzeit an den Menschen adaptierten Influenza-A-Viren, sowohl saisonale Variationen als auch solche, die schwere Pandemien ausgelöst haben, stammten direkt oder indirekt vom "Gründer-Virus" des Jahres 1918 ab. Welche Botschaft soll mit diesem Bezug suggeriert werden? Etwa die, dass wir jetzt einen direkten oder fast direkten Nachfolger haben, und dass deshalb auch dieses Virus sehr gefährlich sein wird? Angesichts der vielen Hypothesen erscheint uns dies als Angstmache.
Die Autoren schreiben sehr bildhaft, dass das menschliche Immunsystem und Influenza-A-Viren seit 1918 einen komplizierten "Pas-de-deux" tanzen, bei dem jeder versucht, die Führung zu übernehmen. Dies gilt jedoch mehr oder weniger für die meisten humanpathogenen Erreger und ist keine Besonderheit von H1N1. Trotz der vielen unbewiesenen Annahmen finden die Autoren zum Schluss doch wieder zu einer realen Beurteilung der Situation, der wir so als Fazit zustimmen können.
Fazit: Insgesamt scheinen die Pandemien seit 1918 in ihrer Schwere abzunehmen. Dies liegt zum einen vermutlich am medizinischen Fortschritt, zum anderen spiegelt es aber möglicherweise auch den evolutionären Vorteil der Viren wieder, die ihren Wirt nicht umbringen. Leicht erkrankte Opfer dienen der Weiterverbreitung des Virus am besten. |
Saisonale Influenza: Nutzen von Neuraminidaseinhibitoren bei Kindern in Therapie und Prophylaxe fragwürdig
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Kinder sind während Grippeepidemien besonders betroffen. In dieser Altersgruppe können bis zu 40% erkranken (1). Schulkinder sind die Hauptquelle für Infektionen in privaten Haushalten (2). Darüber hinaus sind Komplikationen bei einer saisonalen Influenzainfektion bei Kindern häufig und manchmal schwerwiegend. So kann eine akute bakterielle Otitis media bei 20-50% der Kinder unter sechs Jahren auftreten (3).
Von den mit dem neuen Schweinegrippe-Influenzavirus" (H1N1) infizierten Menschen sind in England 30% Kinder unter zehn Jahren alt gewesen (4). Die WHO hat in der Behandlung und Prophylaxe der neuen Schweinegrippe bei Kindern Neuraminidaseinhibitoren empfohlen (5). Die Schweinegrippe ist aber bei Kindern in Europa bisher sehr milde und deutlich weniger komplikationsreich als die saisonale Influenza verlaufen. Die Datenlage zur Therapie von Kindern mit Schweinegrippe mit Neuraminidaseinhibitoren ist völlig unzureichend.
In einer sehr sorgfältigen Metaanalyse im BMJ wurden jetzt die verfügbaren Studien zur Behandlung und Prophylaxe der saisonalen Influenza von Kindern mit Neuraminidaseinhibitoren untersucht (6). Für die Metaanalyse wurden alle randomisierten kontrollierten Studien herangezogen, in denen Kinder bis zwölf Jahre wegen Verdacht oder nachgewiesener Influenzainfektion mit Neuraminidaseinhibitoren behandelt worden waren. Darüber hinaus wurden alle Studien berücksichtigt, in denen Kinder innerhalb eines Haushalts mit einem Grippeinfizierten prophylaktisch einen Neuraminidaseinhibitor bekamen. Als primärer Endpunkt wurden die Zeiten bis zur Genesung in den Behandlungsstudien bzw. Ansteckung mit Influenza in der Prophylaxegruppe definiert.
In die Metaanalyse gingen 1766 Kinder ein (1243 davon hatten eine bestätigte Influenza). In die Prophylaxestudie gingen insgesamt 833 Kinder ein. Nur in zwei der Behandlungsstudien wurde überhaupt ein signifikanter Unterschied gesehen. Die Genesung in diesen Studien konnte durch die Behandlung mit Neuraminidaseinhibitoren um 0,5-1,5 Tage verkürzt werden. In den Prophylaxestudien konnte durch eine 10-tägige Gabe von Neuraminidaseinhibitoren eine symptomatische Influenzainfektion um 8,5% (95%-Konfidenzintervall: 5-12%) reduziert werden. Nur eine Studie berücksichtigte Asthmasymptome. Es wurde kein Einfluss der Behandlung mit Neuraminidaseinhibitoren auf Exazerbationen eines Asthmaleidens gefunden. Auch der Gesamtverbrauch von Antibiotika wurde durch die Behandlung mit Neuraminidaseinhibitoren nicht gesenkt. Zanamivir (Relenza ® ) wurde gut vertragen. Unter Oseltamivir (Tamiflu ® ) trat häufiger Erbrechen auf (Number needed to harm = 20) und auch, vor allem in Japan, bedrohliche neuropsychiatrische Zwischenfälle (7).
Fazit: Nach dieser Studie ist die Wirksamkeit von Neuraminidaseinhibitoren bei Behandlung und Prophylaxe von Kindern mit saisonaler Influenza oder Risiko einer Influenzainfektion sehr gering. Eine generelle Empfehlung, Kinder, die mit dem neuen Schweinegrippevirus infiziert sind, mit Neuraminidaseinhibitoren zu behandeln, ist nach den Erfahrungen bei der saisonalen Influenza nicht gerechtfertigt, zumal die Schweinegrippe in Mitteleuropa bisher bei Kindern weniger schwer als die saisonale Influenza verlaufen ist.
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